Schlagwort: „berliner mauer“

  • Im December auf der Greifswalder Strasse (und die Wende)

    Ok, ok, es ist erst November, aber nur wegen dem Wortspiel (der Dativ ist dem Genitiv sein Tod) wollte ich nicht bis zum Dezember warten. Zumal es ja auch „december“ heisst und nicht „Dezember“… Außerdem ist ja eher der März der magische Monat, wie es scheint, denn hier, im „december“, treffe ich bereits auf den dritten Galeristen, der seine Galerie im März eröffnet hat.

    Jedenfalls habe ich gestern die Galerie „december“ in der Greifswalder Strasse besucht, in der zur Zeit die Ausstellung „Alexanderplatz“ mit Fotos von Harald Hauswald gezeigt wird. Und da kommt sie ja wieder hoch, meine Affinität zum geschichtsträchtigen Osten, gerade heute, am 9. November.

    Und jetzt werde ich ausschweifend…: Denn ich erinner mich noch, wie meine damalige Freundin Sabine mich im November 1989 anrief und mich bekniete, doch mit ihr nach Berlin zu fahren, es sei dort gerade die Mauer gefallen.

    Und ich weiß noch, das ich dem Ereignis ambivalent gegenüber stand (wegen linker Gesinnung und so) und auf keinen Fall diesen „Mauerfall-Tourismus“ mitmachen wollte. Auf der anderen Seite war Sabine diejenige, die mit mir meinen langgehegten Traum einer Foto-Reportage entlang der deutsch-deutschen Grenze verwirklicht hatte.

    Ich hatte seit Jahren die Idee, mal an der deutsch-deutschen Grenze entlang zu fahren, um sie zu fotografieren. Aber es gab keine Eile, es gab keine Veranlassung zu glauben, dass die Grenze fallen würde. Aber weil Sabine auch Lust auf dieses Projekt hatte, sind wir im Sommer 1989 von der Rhön entlang der Grenze Richtung Norden gefahren (mit dem Vorhaben, im Jahr darauf Richtung Süden zu fahren, bis zur Grenze zur CSSR). Dann fiel im November 1989 die Grenze und wir hatten im Sommer (unbewusst natürlich) die letzte Möglichkeit wahrgenommen, die Grenze als Grenze zu fotografieren.

    Naja, jedenfalls sind wir im Dezember 89, nachdem im November die Grenze geöffnet wurde, noch einmal unsere Strecke vom Sommer gefahren, um die Veränderungen zu dokumentieren. Und die waren gewaltig. Ich kann jetzt leider nicht spontan mit Bildbeispielen dienen.

    Leider waren wir nicht besonders geschäftstüchtig, d.h. wir haben unsere Bilder nicht vermarktet, zum anderen sind die Bilder auch sooo unterschiedlich, dass man einen vorher/nachher-Effekt kaum sieht. Vorher gabs ein Bild von einem Zaun, nachher gabs ein Bild von einer Strasse….

    Was mich aber während unserer zweiten Tour sehr beeindruckt hat, war die Gastfreundlichkeit der DDR-ler. Wir (Wessis) konnten zu der Zeit problemlos in die (noch bestehende) DDR einreisen. Und wir wurden eingeladen, zum Essen, wir wurden bewirtet, es war für mich eine Freude zu erleben, dass Gastfreundschaft nicht nur eine hohle Phrase war.

    Und, ich muss sagen (ich hab ja gesagt, dass ich ausschweifend werde), diese Erfahrung, hat sich bis in die heutige Zeit bestätigt. Man soll ja nicht pauschalisieren und ich möchte das auch gar nicht, aber meiner Erfahrung nach ist es oft so, dass „Ossis“ leichter über ihre Empfindungen und Gefühlen reden können, als „Wessis“.

    Aber hier der eigentliche Anlaß meines Postings: Nämlich die Galerie des Fotografen-Kollegen Gerald Zörner, der im März seine Galerie in der Greifswalder Strasse 217 eröffnet hat und dessen Räumlichkeiten mir ausnehmend gut gefallen. Die Fotos, die er zur Zeit ausstellt, gefallen mir sehr, sie geben sehr eindrucksvoll Stimmungen wieder, es sind Fotos von Harald Hauswald, der jahrelang rund um den Alex fotografiert hat.

    Nach so viel Text gibt es jetzt noch ein Foto vom Galeristen Gerald Zörner vor dem Werk seines Künstlers:

    !IMG_7397!IMG_7394

  • Neulich am Brandenburger Tor (2)

    Früher, also ich meine wirklich früher, ist man ja schon hin und wieder nach Westberlin gefahren. Berlin war cool, das war die eingeschlossene Großstadt – das Mysterium. Die ganz coolen unter uns verlegten ihren Wohnsitz nach Westberlin, bevor die Bundeswehr oder der „Ersatzdienst“ sie für zwei (?) Jahre aus dem Verkehr zog. Wer in Westberlin wohnte, musste, bzw. durfte – je nach Sichtweise – ja nicht nicht zur Bundeswehr, da Westberlin ja kein Teil der Bundesrepublik war.

    Aber es war natürlich überhaupt nicht cool, die Sehenswürdigkeiten, zu denen ja damals auch noch die Mauer zählte, zu fotografieren… Sowas machen ja bloß Touris ;-)…

    Schön blöd, wie ich heute finde, denn viele Berlin-Fotos aus alter Zeit gibt mein Keller nicht mehr her… Dieses vom Brandenburger Tor ist das einzige, das ich auf die Schnelle gefunden habe.

    Es lechszt mich geradezu dananch, nach rechts und links zu blicken, hauptsächlich nach rechts, Richtung Potsdamer Platz. Ich erinner mich zwar noch, wie absurd die Szenerie am Potsdamer Platz war, wie wenig ich mir vorstellen konnte, wie dieser Platz vor dem Krieg ausgesehen haben muss, wie das Leben dort war. Genausowenig, wie ich mir heute die Ödnis vor der Wende vorstellen kann.

    Ich erinner mich an meine Tagesreisen nach Ost-Berlin, an die Trostlosigkeit der langen Alleen, wie „Unter den Linden“. Aber warum, so dachte ich damals, soll ich diese Ödnis fotografieren? Heute denke ich: „Hätte ich mal…“.

    Ein paar weitere Gegenüberstelungen von vorher und nachher gibt hier.

    Dieses Bild ist vom Febraur 1987… Größere Ansicht durch Klick aufs Bild.

    2b