16. Juli 2009
„Entdecke eine neue Dimension für dein Leben!“ – „Ich war am Boden, völlig down, habe Alkohol getrunken, gekifft, und war am Ende Heroinsüchtig. Aber Jesus hat mich aus dem Loch geholt, Jesus hat das Wunder vollbracht, dass ich von einem auf den anderen Tag wieder clean war und das Leben für mch neuen Sinn bekam.“
Mit solchen und ähnlich markigen Sprüchen warb eine Gruppe junger Leute am Potsdamer Platz im Stile amerikanischer Prediger für ihren Glauben. Durchaus ansprechend gemacht mit Hip-Hop, Rockmusik, und viel (inszenierter?) guter Laune
und Stimmung. Da blieben nicht nur die
beiden jungen Christinnen stehen und lauschten, auch die Dame die ich fälschlicherweise als Touristin einschätzte, weil sie mit Rucksack und Eistüte am Potsdamer Platz stand und dem Treiben zusah. (Ich vermutete in ihr eine Touristin, weil die Berliner sich doch eher selten an Touriplätzen wie dem Potsdamer Platz aufhalten. Aber die Dame kam aus dem in der Nähe gelegenen Ibero-Amerikanischen Institut – und das passte dann auch viel besser zu ihr, wie ich fand). Und die chinesischen Studentinnen hielten das Treiben mit ihren Videokameras fest. Ob sie von Marcel, dem eifrigen Werber in Sachen Jesus denn erfolgreich bekehrt worden sind, konnte ich nicht ausmachen, Berührungsängste hatten die Jesusjünger jedenfalls nicht, sprachen sie doch unumwunden die Zuschauer an, verkündeten ihre Botschaft und forderten sie auf, an Gebeten, die der Entertainer laut über den ganzen Platz von sich gab,
teilzunehmen.
Sei’s drum, mir ist (fast) jeder Anlass recht, um die vielen Interessanten Menschen zu beobachten, die sich auf den Straßen und Plätzen Berlins finden lassen. Ich habe Marcel erklärt, dass ich, wenn ich glaube, doch lieber an mich selbst glaube und habe viele schöne Fotos gemacht: Bitte hier klicken!