Ich glaub, der lang anhaltende Spätsommer zaubert den Leuten Freundlichkeit in die Seele, oder wohin auch immer:
So hab ich beim Bäcker Brot gekauft, aber hatte zu wenig Geld bei. Sagt die Verkäuferin: „Das macht doch nichts, nehmen Sie’s nur mit, den Rest können Sie mir morgen vorbei bringen…“ Wäre ich Stammkunde, könnt ich’s ja verstehen, aber ich geh selten zum Bäcker…
Dann ließ ich mir einen Schlüssel nachmachen. War von einer Schließanlage, normalerweise muss man den bestellen. Kostet viel und dauert lang. Aber der Schlüsselmann machte ihn mir so, für 14,50 Euro (billig für so eine Art Schlüssel). Der passte aber nicht, ich also mit Schloß und Schlüssel zurück in den Laden. Sagte seine Frau: „Setzen Sie sich mal hin, der Herr Streuber macht das schon.“ Na, dann saß ich da und wir quatschen wie alte Bekannte: Über ihre Erlebnisse, die sie so hat, wenn sie aus dem Schaufenster guckt (Autofahrer, die sich um Parkplätze streiten, Polizeieinsätze, weil der Laden nebenan überfallen wurde, verrückte Teenager auf’m Fahrrad und all so Sachen), über ihren Laden, der jetzt 100-jähriges Jubiläum feiert, und jetzt hat ihn der Sohn übernommen, und – natürlich – über Krankheiten – „Ich hab hier ’n Schlauch unter der Haut, der mein Hirnwasser in den Magen ableitet – können Se fühlen – fühlen Se mal! Mir ist nämlich 1999 ne Ader im Kopf geplatzt, man, dat war knapp, kann ich Ihnen sagen…“ Na, und währenddessen feilte der Herr Streuber meinen Schlüssel passend, und ich konnte beglückt gehen, viel zu früh, wie mir schien, die Geschichte von dem Schlauch unter der Haut war noch gar nicht zu Ende…
Da holte ich mir noch zwei Kugeln Eis in der Eisdiele und jetzt hatte ich aber nur einen 50-Euro-Schein in der Tasche… „Hamses nich kleiner?“ – „Nee, leider nicht!“ – „Ja, dann kommn se doch morgen oder übermorgen oder bei Gelegenheit vorbei, und bringen das Geld, ich kann jetzt nicht wechseln…“ In der Eisdiele war ich noch nie…
Und dann noch die Erfahrung, dass sich Beharrlichkeit auszahlt: Eine renommierte Berliner Fotogalerie hat mich engagiert (also um in der Galerie zu fotografieren, nicht um auszustellen) so fallen meine vielen Ausstellungsbesuche und die Bilderserien davon auf fruchtbaren Boden…
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