Die Deutschlandreise

24. August 2014

Eigentlich ist mir mir egal, was für ein Auto ich habe. Fahren muß es, und praktisch muß es sein. In den letzten 10 Jahren hatte ich einen Opel Astra, eigentlich ein NoGo, ist doch der Astra der Nachfolger des legendären Opel Kadett, der hauptsächlich von Opis mit Hut gefahren worden ist (Und jetzt bitte keine Bemerkungen, dass ich doch im richtigen Alter dafür wäre!)

Aber nun ist das Gefährt 20 Jahre alt, hat fast 240.000 km auf dem Tacho, und bevor ich damit liegen bleibe, muss ein neues her. Ich guckte also so rum, was es so gibt und meine Wahl fiel auf einen – wie ich las – „Lifestyle-Kombi“. Also weniger Platz, dafür dynamischere Form. Außerdem möchte ich diesmal annähernd dem Klischee entsprechen, daß Fotografen Volvo V70 fahren, und wollte einen Volvo V40. Man ist ja bescheiden.

V40 gibt es nicht wie Golf oder Opel an jeder Straßenecke, so bemühte ich Internet und fand mehrere passende Wagen hübsch verteilt in ganz Deutschland. Da ich einen Autokauf eher lästig finde, wollte ich das so schnell wie möglich über die Bühne bringen und entwickelte einen Plan.

Der war wohlüberlegt und ausgefeilt: Ich mache an einem Tag drei Termine schaue mir drei Autos an, kaufe einen von denen, fahre mit dem gekauften zurück nach Berlin, melde ihn um und hole irgendwann meinen alten Astra, den ich ja bei dem Verkäufer habe stehen lassen müssen. Die Route sollte von Berlin über Gießen nach Paderborn, Detmold, zurück nach Berlin.

Gesagt, getan. An dem ausgewählten Tag startete ich um 10h wohlgelaunt und voll freudiger Erwartung Richtung Gießen. Nichts ahnend, dass es eine denkwürdige Unternehmung werden würde…

Denn kurz hinter Leipzig gibt es einen ersten Stau. Kein Problem, denke ich, der wird umfahren. Klappt auch ganz gut, aber kurz nachdem ich wieder auf der Autobahn bin, fängt es unter der Motorhaube so merkwürdig an zu qualmen… Kurzer Blick auf die Kühlertemperatur überzeugt mich dann, anzuhalten und mich des Problems anzunehmen. Was das Kühlen anbelangt, bin ich ein alter Hase. Defekten Kühler, defekter Deckel, defekter Schlauch – hatte ich alles schon. Deswegen hab ich normalerweise auch immer eine 1,5l Wasserflasche dabei. Normalerweise. Nur diesmal nicht. Egal, macht nix, bis zur nächsten Tankstelle schaffe ich es ganz laaaangsam mit 50km/h und eingeschaltetem Warnblinker bis zur nächsten Tanke.

Nachgeschaut: Aha, ein Schlauchist kaputt. Fix das Klebeband rausgeholt, drumgewickelt, Wasser, viiiiiel Wasser ausgefüllt und gestartet: NICHTS. Er springt einfach nicht an. Und angesprungen ist er IMMER. Selbst bei Regen, im Winter und überhaupt. Deswegen kenn ich mich damit auch nicht aus. Kein Problem, Herr Ecken ist ja im ADAC. ADAC angerufen und – gewartet. Aber jedes Warten hat mal ein Ende, ein freundlichger ADAC-Mann kommt, probiert allerlei aus, zieht Schläuche ab, misst Strom unter der Motorhaube, im Fußraum und stellt fachmännisch fest: Benzinpumpe defekt, keine Erste Hilfe möglich, Abschleppen erforderlich. Abschlepper kommt, wir fahren in eine nahegelegene Werkstatt, ich beschließe, keine neue Benzinpumpe einbauen zu lassen, nehme mir einen Leihwagen und lasse meinen Opel dort, er wird verschrottet werden.

Ich komme um 16h von Leipzig los, sage meinem ersten Verkäufer, dass ich so gegen 20h in Gießen wäre, den anderen sage ich ab. Aber da habe ich die Rechnung ohne den Wirt, bzw. ohne die Baustellen gemacht. 17h, Berufsverkehr, statt drei nur noch eine Fahrspur, das heißt also 1,5 Stunden im Stau stehen. Ich rufe meinen ersten Verkäufer an, aber irgendwie kommt der mir mittlerweile komisch vor: Der sagt mir jetzt schon die dritte Adresse, wo der Wagen mittlerweile steht, er kennt aber nicht die genaue Hausnummer, und will mich an einer Tankstelle treffen. Der Wagen ist von seinem Opa, steht jetzt bei einem Freund. Genaues zu dem Wagen kann er mir auch nicht sagen, und außerdem ruft er mich mit unterdrückter Rufnummer an… Ich bin dann erst nach 21h in Gießen, mein Verkäufer hat keine Lust mehr zu warten, ist mir auch recht, war mir mittlerweile zu dubios und außerdem ist es um 21h schon stockdunkel.

Paderborn und Detmold kann ich eh knicken, nach Berlin zurück wäre unklug, ist doch Köln und Düsseldorf viel näher… Also auf zu Freund Harald nach Köln und dort übernachten. Am nächsten Tag fahre ich nach Lohne, Osnabrück, Paderborn denn jetzt habe ich ja mehr Zeit und kann mir also auch mehr Autos anschauen und dann weiter nach Berlin. Aber keiner überzeugt mich so richtig. Dafür erfahre ich Schicksale. Z.B. von der Frau, die nach elf Jahren Kampf den Krebs überwunden hatte, aber bei einer harmlosen Nachoperation im Krankenhaus verstarb, und deren Auto der Ehemann verkaufen will.

Detmold ist die letzte Chance. Der Wagen scheint in Ordnung zu sein, ist aber etwas überteuert. Etwas lässt er sich runterhandeln, immer noch zuviel, aber es ist noch vertretbar. Nur leider: Mitnehmen kann ich ihn nicht, er ist abgemeldet. So ein Mist. Dann also doch nicht nach Berlin, sondern nach Düsseldorf zurück, ist wesentlich näher. Dort wieder übernachten, um mir am nächsten Morgen eine „Rote Nummer“, also ein Überführungskennzeichen zu besorgen, um dann nach Detmold zu fahren, Wagen holen, und weiter nach Berlin.

Aber leider, leider sind die Bestiummungen geändert worden, es gibt „Rote Nummern“ nur noch dort, wo man auch gemeldet ist, in meinem Fall eben Berlin…

Shit happens, also muss ich erst nach Berlin, dann nach Detmold und dann wieder nach Düsseldorf oder Berlin, das wird sich zeigen. Aber so einfach war das nicht: Auf der Autobahn nach Berlin war ein schwerer Unfall, die Fahrbahn ist beschädigt und gesperrt. Den ganzen Tag lang, heisst es. Also mache ich einen Umweg über Leipzig. Dort lege ich noch eine Übernachtungspause bei Freundin Claudia ein, um dann am nächsten Tag zeitig aufzustehen und nach Berlin zu fahren. Auto anmelden, zurück nach Detmold, Leihwagen abgeben, Nummernschilder anschrauben und dann wieder nach Düsseldorf.

Hier meine Route: (drauf klicken zum Vergrößern)

1084

Knapp 3000 km, viele Euros Spritkosten und einmal geblitzt. Der Leihwagen war einfach zu schnell, da konnte ich nichts für, ischwöre!

Dafür habe ich jetzt einen „Lifestyle-Kombi“!! Einer von den beiden.

2013-11-27 12.22.05aaa

So! Das musste jetzt mal raus!!!

Kommentare

2 Kommentare zu „Die Deutschlandreise“

  1. Avatar von iljos

    wieder mal eine schier unglaubliche Geschichte, Dominique !
    Aber dafür hast du jetzt auch ein richtig klasse Auto,- wow !!

    Liebe Grüße aus Saarbrücken
    Gisela

    1. Avatar von DomEcke

      Tja, mein Plan war gut…

      „Ja mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht, dann machste noch nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht! (dreigroschenoper)

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