Autor: Dom

  • Felsenkeller

    Okay, noch eine Geschichte: Ich bin heute nach Kreuzberg gefahren, wollte mir am letzten Tag die Ausstellung über Rio Reiser im Schwulen Museum angucken. War nicht so doll, macht aber nix. War dann noch bei meinem Lieblings-Mexicaner Fajitas essen und bin dann ins nahegelegene Yorck-Kino. Der Film heisst „Boxhagener Platz“ ein tatsächlich existierender Platz, der im Ostteil Berlins liegt, gleich bei mir um die Ecke in Friedrichshain. Heute ein beliebter Treffpunkt für alle möglichen Leute; Wochen- und Flohmärkte finden dort statt. Ein wunderbar unaufdringlicher Film, keine Specialeffects, keine bemühten Witze á la „Sonnenalle“, eine Zustandsbeschreibung der Situation um 1968 in der DDR. (Aber wieso guck ich mir „Boxhagener Platz“ in Kreuzberg an?? Frevel!!)

    Und dann noch in den Felsenkeller… Meine Lieblingskneipe, leider in Westberlin gelegen, nicht so nah, dass ich so oft hinkönnte, wie ich wollte. Aber wenn ich da bin, immer sehr kommunikativ. (Für die Frankfurter unter Euch: Es gibt Berlin, Westberlin und Spandau).

    Ok, aber der Felsenkeller: Eine Mischung zwischen Wohnzimmer und Kneipe mit Familienanschluß, wenn gewünscht. Seit 18 Jahren in der Hand von Michaela, die auch für das leibliche Wohl sorgt, aber nicht allzu offensiv: Die Speisekarte gibt es nur mündlich. Das schafft Improvisationsmöglichkeiten, und wenn zuviel Gäste gleichzeitg etwas bestellen, geduldigt man sich etwas, denn das Kontingent in der Küche ist beschränkt. Aber das warten lohnt sich, denn erstens ist es einfach nur lecker und zweitens ist es keine Kantine, sondern fast schon eine „Begegnungsstätte“, in der man die Warte-Zeit mit Gesprächen überbrücken kann.
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  • 171 Museen, eine schöne Geschichte

    Wie ich schon schrieb, möchte ich alle 171 Museen Berlins besuchen, und mit einem Portrait bebildern. Ich bin auch fleißig dabei, aber noch auf der Suche nach einem durchgängigen Konzept. Aber es gibt auch schon Highlights zu berichten. Am Sonntag wollte ich mir im Schloß Charlottenburg die Ausstellung zu Königin Luise anschauen. Ohne Hintergedanken bzgl. meines Projekts, denn in den Schlössern Berlins ist fotografieren generell verboten. Und bevor ich mich da um eine Genehmigung bemühe, mach ich erst mal die anderen 160 Museen. Aber wie ich da so durch das Entree auf das Schloß zu gehe, sehe ich eine Frau lässig an der Außenwand gelehnt stehen, mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Mein Spürsinn sagt: Sie arbeitet dort, und macht gerade eine Kaffepause. Ich sprech sie an, frage sie – und Bingo! Eine wunderbare Begegnung mit Gudrun, die lange im öffentlichen Dienst beschäftigt war und jetzt zweimal in der Woche im Schloß Charlottenburg arbeitet, zum einen um ihre Rente aufzubessern, aber auch um in Kontakt zu Menschen zu bleiben, und um ihre Englischkenntnisse zu pflegen…

    Sagte ich schon, dass ich Berlin so liebe, weil man dort immer wieder tollen Menschen begegnet?DOM_9894DOM_9903

  • Der Sinn des Lebens

    Manchmal, wenn man nach durchzechter Nacht, einsam am Computer sitzt (nachdem man von der Wirtin des „Felsenkeller“ gehört hat, dass sie weder einen Computer braucht, noch besitzt), und über den Sinn des Lebens nachdenkt, kriegt man schnell neuen Lebensmut, wenn man aufs Klo geht und dort die Silberfischchen über die blanken Fliesen flitzen sieht, und sich vergegenwärtigt, dass die auch nicht viel darüber nachdenken, warum sie das tun. Sie tun es einfach. Und wenn sie nicht von mir plattgetreten werden, tun sie es auch morgen noch. Da soll noch jemand sagen, Silberfischchen seien Ungeziefer.

  • 171

    Neulich las ich in einer Zeitung, dass es in Berlin 120 Museen gibt. Da dachte ich mir: Schau sie dir doch mal alle an. Ich recherchierte und fand eine Liste mit 171 Museen. Dann dachte ich, dass man ja aus diesem „Anschauen“ auch ein Projekt machen könnte. Ein Foto von jedem Museum, dass ich besuche. Mit einem Menschen drauf. Erst hatte ich die Idee, immer einen Museums-Wärter zu fragen, ob er vielleicht ein Lieblingsbild hat und sich vor diesem fotografieren lassen will. Dann die Idee, Ausstellungsbesucher zu fragen, ob sie ein Lieblingswerk haben. Und heute war ich zur Inspirierung im Schloß Schönhausen und geriet unvorhergesehen in eine sehr interessante Führung. Und spontan fragte ich den Führer (gibt’s nicht ein anderes Wort für jemanden, der eine Führung macht?) ob er sich ablichten lassen wolle. Er wollte. Und so stellte ich ihn in das Badezimmer des Schlosses Schönhausen, dass seinerzeit Sommerresidenz der Königin Elisabeth Christine (1740-1797), später dann Sitz des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, und noch später das Gästehaus der DDR-Regierung war. Und noch später, als letzter Staatsgast, diesmal bereits der BRD, saß 1991 Königin Beatrix auf der Toilette.

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    Wobei dieses Bild natürlich nicht für ein 1740 gebautes Schloß repräsentativ ist. Vielleicht wäre so ein Bild besser:

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  • Corinna Harfouch bei Thürmanns

    Weiter geht es in der Reihe ‚Interessante Begegnungen in Berlin‘: Ich war heute im Schloß Schönhausen und hab Inspiration gesucht (und gefunden). Anschließend noch bei Thürmanns eine Soljanka gegessen und die beiden Damen neben mir gefragt, ob sie mal kurz meine Sachen im Auge behalten können – musste mal kurz weg… Klar sagten sie, kein Problem – und da erkannte ich die großartige Corinna Harfouch. Hatte ich schon erwähnt, was mir an Berlin so gefällt? Genau, die vielen überraschenden und unkomplizierten Begegnungen mit unbekannten und bekannten Menschen

    Corinna Harfouch, Foto: FotoEcken

    Thürmanns ist übrigens keine tolle Galerie sondern ein ganz normales Cafe…)

  • Camera Work: Andreas Mühe

    Mal wieder ein paar „Pictures at an exibition“. In der Charlottenburger Galerie CameraWork gab es die Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Andreas Mühe. Einige Portraits der Besucher von mir gibt es hier.

    Zur Galerie

  • Eishockey

    So, heute abend war also der Tag des Spiels. Und die Erkenntnisse? Erstens: Man kann seine Heimat nicht verleugnen, es spielten ja Berlin gegen Düsseldorf – und ich habe natürlich (?) zu Düsseldorf gehalten und fühlte mich persönlich beleidigt, als die Menge skandierte „Altbier macht dumm“. Und natürlich war sich der Berliner Pöbel (kl. Scherz) bemüßigt den Gassenhauer „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben…“ zu grölen… (Dorthe sei verflucht!!!) Zu allem Leid haben WIR dann auch noch verloren – welche Schmach…

    Zweite Erkenntnis: Technisch ist immens aufgerüstet worden – mit dröhnender Musik vor Beginn und nach jedem Tor, Showeinlagen, Videoeinspielungen – irgendwie amerikanisch…

    Dritte (nicht neue) Erkenntnis: Es ist ein wahnsinnig schnelles Spiel. Doch, irgendwie faszinierend. Ich hatte, wie früher, Schwierigkeiten den Puck zu verfolgen…
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    Anzumerken bleibt natürlich, dass es nicht der PC (political correctness) entspricht, als Friedrichshainer in die Friedrichshainer O2-Arena zu gehen, gegen die auch ich schon schon protestiert habe:
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    Meine damalige Freundin hatte sich auch bei der ersten Lidl-Ticket-Aktion geweigert mitzugehen… Recht hatte sie, aber jetzt hat der Schweinehund in mir gesiegt…

  • Zurück in die Jugend…

    So pathetisch wie’s im Titel steht wird’s gar nicht. Ich komm ja aus Düsseldorf, und da gab es ein kleines Eisstadion und eine große Eishockeymannschaft, die DEG. Und wir als Jugendliche sind beim Heimspiel immer über einen hohen Zaun geklettert, weil das Eintrittsgeld zu hoch war, standen dann im Fan-Block und haben Wunderkerzen angezündet. Die Stimmung an der Brehmstraße war immer gut, der Vater einer bekannten Schauspielerin stand im Tor (Reiner Makatsch), Otto Schneidberger hatte wegen seines Körpereinsatzes oft ein blutenden Lippe… Heute sitzt Makatsch immer noch im Muggel, einer bekannten Kneipe in Düsseldorf und Otto plant und baut Häuser. So lassen einen manche Dinge aus seiner Jugend einfach nicht los.

    Aber seitdem war ich nie mehr bei einem solch sportlichen Event – bis demnächst. Denn bei Lidl in Berlin gab’s für kleines Geld Gutscheine für Eishockeyspiele der Eisbären Berlin, und ich habe mir einen geleistet. Natürlich – dem fortgeschrittenen Alter angemessen – einen Sitzplatz ;-). So werde ich denn am 26. Januar seit über 30 Jahren mal wieder einem Eishockeyspiel beiwohnen: Eisbären Berlin gegen DEG Metro Stars, (wie die Mannschaft nun neumodisch heißt). Ich bin schon sehr gespannt, ob die Stimmung so gut wird, wie ich sie von früher in Erinnerung habe.

  • Lidl-Tickets und das Ordnungsamt

    Ich stehe nie wieder früh auf. Heute: Früh aufgestanden, billige DB-Tickets bei Lidl abgreifen. Fahre mit dem Fahrrad zu nem Lidl, wo nicht viel los ist. Tickets gekauft. Fahre zurück, blockieren 5 (fünf!!!) Teenies in einer Reihe auf dem Weg zur Schule den Gehweg. Ich klingel mir den Weg frei – da tauchen hinter den Teenies zwei Ordnungsamtsmitarbeiter auf, stellen sich mir in den Weg. Blaffen mich an, dies sei ein Gehweg!! Ich sach, wir sind hier im Osten, da kann man nicht auf dem Kopfsteinpflaster der Straße radfahren, geht gar nicht. War denen egal (keine Radfahrer, eben), wollten 10 Euronen Strafe kassieren… Ich hab noch NIE solche Hipos hier gesehen… Aber heute… Ist klar.

  • Ostkreuzschule und Kunst in Neukölln

    Das war mal wieder typisch: Viele spannende Sachen an einem Abend. Die Vorstellung der Abschlußarbeiten des 3. Jahrgangs der Ostkreuzschule, Konzert mit Kat Frankie und die Erkundung der Neuköllner Kunst- und Galerieszene. Die Folge war eine lange Radwanderung durch Berlin.

    Fangen wir mit dem letzten an: Nachdem nun Berlin-Mitte mit Galerien übersät ist, Prenzlauer Berg schon mit Designerschmuck- und Bioläden kaum mehr freien Platz bietet, Friedrichshain die Künstler wohl noch mit brennenden Autos verschreckt, zieht die Kunstszene eben nach Neukölln. Mir nicht ganz verständlich, hatte ich doch bei meiner gestrigen Tour das Gefühl eher im Niemandsland gelandet zu sein. Es scheint auch noch in der Anfängen zu stecken, denn manches, was ich dort entdeckte war auch eher dem Kunsthandwerk als der Kunst zuzuordnen, und manches als Kunst deklarierte diente doch eher der Partyraum-Ausstattung.

    Von den Arbeiten der Ostkreuzschüler hingegen war ich – mal wieder – schlichtweg begeistert. Bei vielen Arbeiten steht die Auseinandersetzung mit Menschen im Vordergrund, Maren von Kummer begleitet eine Dreizehnjährige ein Jahr auf ihrem Weg aus der Kindheit, Philip Maubach berichtet über eine Boxschule für Jugendliche in Neukölln, André Wunstorf potraitiert Araber in Neukölln, David Wittenburg die Bewohner seines Hauses, Susanne Jakubzik lässt Promis und Penner die Augen schließen und viel Raum zum Grübeln, wie die geschlossenen Augen das Antlitz verändern.

    Tief bewegt war ich von den Portraits von Rebecca Sampson, die Menschen fotografiert hat, die sich wegen Esstörungen in stationärer Behandlung befinden. Selten habe ich Bilder gesehen, in denen Menschen ihr innerstes offenlegen. Wenn dieser klischeehafte Satz, dass das Foto ein Spiegel der Seele ist, passt, dann hier. Diese Hilflosigkeit, die Verzweiflung ist fühlbar. Die Mutter die ihre Tochter im Arm hält, wissend, dass sie mehr nicht tun kann. Die Fotos der übergewichtigen Mutter und ihrer untergewichtigen Tochter lässt einen hilflos und traurig zurück. Sampsons Bilder lassen eine Nähe erahnen, die sie auch bestätigt: Sie hat mit den Menschen gelebt, hat sich Wochen in der Klinik aufgehalten, war den Menschen nahe.

    Hier geht’s zu den Bildern.

    Ausstellung Ostkreuzschule im jüdischen Mädchengymnasium