Das war mal wieder typisch: Viele spannende Sachen an einem Abend. Die Vorstellung der Abschlußarbeiten des 3. Jahrgangs der Ostkreuzschule, Konzert mit Kat Frankie und die Erkundung der Neuköllner Kunst- und Galerieszene. Die Folge war eine lange Radwanderung durch Berlin.
Fangen wir mit dem letzten an: Nachdem nun Berlin-Mitte mit Galerien übersät ist, Prenzlauer Berg schon mit Designerschmuck- und Bioläden kaum mehr freien Platz bietet, Friedrichshain die Künstler wohl noch mit brennenden Autos verschreckt, zieht die Kunstszene eben nach Neukölln. Mir nicht ganz verständlich, hatte ich doch bei meiner gestrigen Tour das Gefühl eher im Niemandsland gelandet zu sein. Es scheint auch noch in der Anfängen zu stecken, denn manches, was ich dort entdeckte war auch eher dem Kunsthandwerk als der Kunst zuzuordnen, und manches als Kunst deklarierte diente doch eher der Partyraum-Ausstattung.
Von den Arbeiten der Ostkreuzschüler hingegen war ich – mal wieder – schlichtweg begeistert. Bei vielen Arbeiten steht die Auseinandersetzung mit Menschen im Vordergrund, Maren von Kummer begleitet eine Dreizehnjährige ein Jahr auf ihrem Weg aus der Kindheit, Philip Maubach berichtet über eine Boxschule für Jugendliche in Neukölln, André Wunstorf potraitiert Araber in Neukölln, David Wittenburg die Bewohner seines Hauses, Susanne Jakubzik lässt Promis und Penner die Augen schließen und viel Raum zum Grübeln, wie die geschlossenen Augen das Antlitz verändern.
Tief bewegt war ich von den Portraits von Rebecca Sampson, die Menschen fotografiert hat, die sich wegen Esstörungen in stationärer Behandlung befinden. Selten habe ich Bilder gesehen, in denen Menschen ihr innerstes offenlegen. Wenn dieser klischeehafte Satz, dass das Foto ein Spiegel der Seele ist, passt, dann hier. Diese Hilflosigkeit, die Verzweiflung ist fühlbar. Die Mutter die ihre Tochter im Arm hält, wissend, dass sie mehr nicht tun kann. Die Fotos der übergewichtigen Mutter und ihrer untergewichtigen Tochter lässt einen hilflos und traurig zurück. Sampsons Bilder lassen eine Nähe erahnen, die sie auch bestätigt: Sie hat mit den Menschen gelebt, hat sich Wochen in der Klinik aufgehalten, war den Menschen nahe.
Hier geht’s zu den Bildern.
